Urbanofilms #19

REVIEW//

Rund 80 Personen fanden sich an diesem spätsommerlichen Abend in die Heidestraße ein. Da diese Personenanzahl nicht ansatzweise in die Oberhafenkantine gepasst hätte, wurde schnell improvisiert und draußen eine zweite Leinwand aufgebaut. Die Filme waren abwechslungsreich, erwähnenswert und hervorstechend sicherlich die beiden Kurzfilme über das Künstlerpaar Köbberling & Kaltwasser („Haus über Nacht“ / „Aktion im Stadtraum“).

Die zuvor geplante Führung zum Entwicklungsgebiet Heidestraße wurde leider zu einem vor der Kantine gehaltenen Vortrag durch einen Vertreter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung umgewandelt. Schade, denn die Exkursion auf das Gelände wäre sicherlich spannend gewesen! Allerdings wurde der Vortrag heftig diskutiert und der Referent musste sich den kritischen Bemerkung der anwesenden Architekten und Stadtplaner zum Projekt und Planungsprozeß stellen. Nur ein Zitat sei an dieser Stelle genannt, was die Stimmung unter den Zuhörern wiedergibt:

„Entschuldigen Sie, aber das was Sie da betreiben, ist Schönrederei, nicht mehr!“

Das Projekt wird aufgrund seines immensen Zeithorizonts von 20 Jahren und komplexer Planungsbedingungen weiterhin stadtentwicklungspolitische Diskussionen füllen – dies wurde mehr als deutlich.

Erwähnenswert war auch der Einwand eines anwesenden Architekten, der mahnte, den Begriff der Zwischennutzung fortan kritisch abzulehnen. Mit temporären Nutzern müssen wesentlich ernsthafter umgegangen werden: Künstlerische und kulturelle Aktionen haben bedeutende Effekte auf das Image von Orten und werten Standorte auf. Am Beispiel Heidestraße / Europacity könne man dies deutlich machen: Durch die stete Verlängerung des Planungsverfahrens werden Investoren abgeschreckt, Kulturelle Aktionen können dagegen steuern.Die Eigentümer des Areals können durch die resulturende positive Aufwertung profitieren. Doch diese räumen den Akteuren allerdings kaum Spielraum ein, von finanzieller Unterstützung ganz Schweigen. Hier ist auch die Stadt gefragt, entschlossener auf diesen Missstand hinzuweisen und sich, sofern im Planungsprozess beteiligt, aktiver für jene Nutzungen einzusetzen. Hier ließe sich ein weiteres Beispiel nennen, dass durch temporäre Umnutzung massiv aufgewertet wurde: Das Tempelhofer Feld.

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