min to max. Internationales Architektursymposium im HAU Berlin

min to max

Internationales Architektursymposium im Hebbel am Ufer // Tag 1: Berliner Mix

10. Dezember 2011 // 19.00 Uhr // Hebbel am Ufer Berlin

Bildet Baubanden, holt Euch das Geld von der KfW und kündigt Eure Finanzanlagen und legt das Geld in ökologische, soziale und nachhaltige Projekte!

Der Aufruf von Christian Schöningh könnte kein besseres Fazit sein. Nahezu einstimmig war die Meinung unter den versammelten 200 Besuchern der Abendveranstaltung des internationalen Architektursymposiums min to max im Hebbel am Ufer. Mit wohlwollender Miene wurde den Präsentationen vieler gelungenen Projektbeispielen gelauscht. Prominente Beispiel kannte man: Prinzessinnengärten, ExRotaprint, Kunstrepublik, Mietshäusersyndikat, etc.

Was kann Architektur leisten, fragte Andreas Ruby in seiner Einführung. Er zielte damit auf den vielversprechenden und für die kommenden Jahre einflussreichen Ansätzen der CIAM 1929, ein lebenswertes Wohnen für alle zu entwickeln und zu garantieren. Mittlerweile sei innerhalb des sozialen Wohnungsbaus die Euphorie verflogen.

Welche Akupunkturen können Planer und Architekten setzen?

Acht Kurzvorträge später war klar, welche Möglichkeiten und Perspektiven solche Best Practice Beispiele bieten. Die Fachwelt weiß mittlerweile sehr gut, was sie kann und welche Instrumente und Verfahren hierfür nötig sind. Nachhaltige Entwicklung statt spekulative Bauprojekte, soziale Stabilisierung in den Innenstadtquartieren statt dynamisch fortschreitende Segregation. Dekommodifizierung von Wohnraum, Vergabe nach Erbbaurecht, Gesellschaftervertäge zur Verhinderung von Kapitalabfluss, Gegensubventionierung, unternehmerische und bauliche Selbsthilfe. Das Wissen, wie man vorgehen kann, scheint vielfältig wie umfassend.

So drängte sich in der abschließenden Diskussionsrunde vielmehr die Grundsatzfrage auf, warum diese allseitig gelobten Projekte und deren erfolgreich erprobte bislang nicht umfassender in den Politiken der Stadtentwicklung eingebunden worden. „Es ist nicht damit getan, sich auf Konferenzen oder über Publikationen auszutauschen. Es geht nun darum, wie man sich organisiert“, fasst Matthias Heyden die Situation treffend zusammen. Die erwähnten Projekte wie Prinzessinnengärten oder ExRotaprint werden in Form von Stadtmarketing und Imagekampagnen kapitalisiert – es gibt aber kein Umdenken in der Stadtentwicklungspolitik, die diese kreativen Projekte als Basis nimmt. Es gebe schlicht keine Vertrauenbasis für zivilgesellschaftliche organisierte Entwicklungsprojekte. Der politische Wille fehle schlechthin, meint Matthias Heyden

„Skandalisierung der bestehenden Verhältnisse bis zur Auflösung.“

Was Christian Posthofen für sein provokantes Untersuchungsbeispiel zur Institutionalisierung sozialer Segregation für die Berliner Tafel fordert, muss auch für die Stadtentwicklungspolitik erfolgen. Nicht nur Planer sind gefragt. Auch in der Mittelschicht müsse eine Diskussion über Werte geführt werden. Denn bei dieser würde bei zivilgesellschaftlichen Fragen zu oft Entscheidungen unter den Prämissen ökonomischer Absicherung gefällt. Die soziale Frage zur zukünftigen Stadt müsse aus einer gesamtgesellschaftlichen Wertediskussion heraus beantwortet werden.

Die Veranstaltung wurde von Architekturclips aufgezeichnet, einen Bericht hierzu gibt es unter dem folgenden Link

 

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