4 & 10 Dec 12 // Unbekannt Verzogen / Aufgeteilte (T)Räume // Hipster Antifa Neukölln Berlin

Unbekannt Verzogen / Aufgeteilte (T)Räume

Veranstaltungsreihe der Hipster Antifa Neukölln // 4. und 10. Dezember 2012

Im letzten Monat des Jahres 2012 möchte die Hipster Antifa zu zwei Veranstaltungen in die Räume des LAIDAK einladen, um die von der Gruppe identifizierte, “ zunehmend fehl laufende Gentrifizierungskritik“ innerhalb der linken Szene zu thematisieren. Hierzu wird es zunächst am kommenden Dienstag einen Vortrag von Magnus Klaue mit dem Titel „Über linken »Touristenhass« und die Unmöglichkeit des Wohnens“ geben. Am darauffolgenden Montag sollen die Diskussion mit Podiumsgästen weiter diskutiert werden.

Ankündigungstexte:

4. 12. 2012, 19:30: Magnus Klaue: Unbekannt Verzogen, Über linken »Touristenhass« und die Unmöglichkeit des Wohnens.

Seit kurzem ist das in linken Großstadtkiezen verbreitete Ressentiment gegen »Touristen« zu einem Topos antideutscher Kritik avanciert. Der Touristenhass wird als Ausdruck einer regressiven Kapitalismuskritik und linksromantischen Kiezhygiene verstanden. Doch der Kiez ist nicht einfach ein in die Stadt implementiertes Dorf. Die Solidarisierung mit den »Touristen« übersieht, dass die sich als post- moderne Bohème aufspielenden hipp-prekären Freiberufler, die, sei es als Einheimische oder Gäste, den Aufenthalt in jenen Kiezen so unerquicklich machen, die Karikatur eines Weltbürgertums darstellen, an dessen Verwirklichung niemand mehr glaubt. Teilzeit-WGs, »Couch Surfing« usw. sind Ausdruck einer Wirklichkeit, in der die Differenz zwischen Wohnen und Reisen liquidiert ist. Wenn sich das Dasein in eine Folge von Mitfahrgelegenheiten verwandelt und man in Intimleben wie Beruf nur noch aus dem Koffer lebt, agieren die Menschen ihre enttäuschte Sehnsucht nach Seßhaftigkeit im Hohn auf unflexible Stubenhocker aus, während sich ihre Verachtung des eigenen erzwungenen Nomadentums im Hass auf jene Bahn bricht, die es sich scheinbar leisten können, durch die Welt zu schweifen. Demgegen- über soll der Vortrag zeigen, dass das repressive Kollektiv angesicht der »Dislokation der Menschheit« (Adorno) längst selbst aus denen besteht, die vorübergehen.

10. 12. 2012, 18:00: Aufgeteilte (T)Räume (mit Unterstützung der Jungle World). Podiumskussion mit Roger Behrens, Christoph Twickel und Kris Maschewsky. Moderation: Ivo Bozic.

Dieser Sommer war heiß: Die Diskussion um die aktuellen sozioökonomischen Entwicklungen in der Stadt hat ein weiteres Mal Fahrt aufgenommen. Der Kritik an Gentrifizierung steht eine Kritik an Gentrifizierungskritik gegenüber, welche wiederum selbst ihrer Ohnmacht dem Ganzen gegenüber eingedenk sein muss. Galt die Stadt Marx noch als Möglichkeit, sich von der »Idiotie des Landlebens« zu befreien, wird sie im Zuge der theoretischen und handgreiflichen Gentrifizierungskritik als Problem wahrgenommen: Mal zieht der Schatten eines Carlofts über den sonnigen Kiez hinweg, mal sind es saufende Touri-Horden, um deren Kotze Einheimische ihren Weg nach Hause tänzeln. An allen Fronten, so scheint es, muss das Kiezidyll verteidigt werden — dabei bleibt wenig Zeit um sich vorzustellen, dass alles auch ganz anders sein könnte. Die utopischen Hoffnungen, die sich auch in der linken Tradition an Urbanisierung geknüpft haben, werden in dieser Debatte kaum mehr wahrgenommen. In dieser Veranstaltung soll diskutiert werden, ob solche Perspektiven der zeitgenössischen Stadt über- haupt noch angemessen sind oder ob mit der Aufteilung des öffentli- chen Raums auch die Utopie ihren Ort verloren hat, den sie dem Namen nach sowieso nie besaß.

LAIDAK // Boddinstrasse 42/43 // 12053 Berlin

>> mehr Informationen FACEBOOK / LAIDAK

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