14 Feb 12 // Stadt für alle, aber wie? // UT Connewitz // Leipzig

Der Süden in Bewegung. Stadt für alle, aber wie?

Podiumsdiskussion im UT Connewitz // Dienstag, 14. Februar 2012 // 18 Uhr

Das Schlagwort „Gentrifizierung“ geistert seit geraumer Zeit durch Leipzig. Anlass dafür sind Privatisierung von Wohnblöcken, die vormals in kommunalem Besitz waren, Sanierungen, die Mietsteigerungen und den zwangsweisen Auszug von MieterInnen nach sich ziehen oder die Errichtung von Einkaufsmärkten, die kleinteilige Gewerbestrukturen verdrängen. Langsam aber sicher werden die Konsequenzen aus jahrelanger privater Investitionstätigkeit und mangelnder gestaltender Intervention durch die Stadtverwaltung plastisch.

Die Debatte um Aufwertung von Bausubstanz und die damit verbundene Verdrängung von „Alteingesessenen“ – kreative und vernetzte Menschen und Gewerbetreibende – hat am konkreten Beispiel Windmühlenstraße eine ersten Höhepunkt erreicht. Doch auch im Süden der Stadt führen die sichtbare Ansiedlung von Besserverdienenden und sich intensivierende Sanierungstätigkeit zu Protesten. Seit geraumer Zeit werden beispielsweise Stadthäuser mit Farbbomben bedacht. Die Sanierung eines Hauses in der Wolfgang-Heinze-Straße, die nach wiederholten Protestaktionen von einer Securityfirma abgesichert wurde, führte sogar zu handgreiflichen Auseinandersetzungen.

Insbesondere der Ortsteil Connewitz ist wegen seiner HausbesetzerInnengeschichte und einem breiten Spektrum an politischen und kulturellen Projekten, die Verdienst einer engagierten und selbstbestimmten EinwohnerInnenschaft sind, ein beliebter Lebensort. Mythos und Realität ziehen längst auch Menschen an, die besser verdienen und entsprechende Wohn-Standards erwarten. Immobilienfirmen machen sich diese Nachfrage zu Nutzen. Auf der anderen Seite stehen Genossenschaften, die preiswerten Wohnraum zur Verfügung stellen und der kapitalistischen Verwertungslogik zumindest im kleinen Maß entkommen wollen, StadtteilbewohnerInnen, die die alternative Spezifik des Stadtteils erhalten wollen, ältere Menschen, die ihren Lebensabend im Kiez verleben oder Erwerbslose bzw. Geringverdienende, die hier ihren Lebensort haben bzw. halten wollen.

In einer Podiumsveranstaltung soll die angerissene Problematik vertieft werden.→ Ist „Gentrifizierung“ der passende Begriff um die Entwicklungen im Leipziger Süden zu beschreiben?→ Welche Veränderungen in Sachen Wohnsubstanz und Bevölkerungszusammensetzung sind in den letzten Jahren zu verzeichnen? Gibt es wirklich einen Trend hin zur Verdrängung von sozial Benachteiligten und von liberaler Alternativ-Kultur?→ Welche Rolle spielen alternative Projekte Genossenschaften, Kulturprojekte für den Prozess der Aufwertung des Stadtteils?→ Wie kann eine soziale, demokratische Stadt/teil/entwicklung aussehen? Läßt sich einer kapitalistischen Wohnsubstanz-Verwertung überhaupt Paroli bieten und wenn ja, wie?→ Würde ein Anspruch „Stadt für alle“ dem spezifischen Charakter Connewitz´ ein Ende bereiten? oder: Ist die Aufwertung unweigerlich mit Verdrängung verbunden?

PodiumsteilnehmerInnen:

  • Prof. Rink (Umweltforschungszentrum)
  • Katharina Weise (Rosa Luxemburg Stiftung)
  • Herr Faber (Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung)
  • VertreterIn AWC
  • VertreterIn IG Kantstraße
  • Moderation: Juliane Nagel

Eintritt frei!

>> mehr Informationen HIER

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